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Du, ich will dir was erzählen...

Vielleicht hast du erst vor kurzem bemerkt, dass du auf Frauen stehst? Oder vielleicht hast du schon seit längerem ein_e Freund_in*? Vielleicht hast du einfach jemanden mit nach Hause zu deinen Eltern gebracht?
Vielleicht hast du schon länger bemerkt, dass du dich nicht so 100%ig wohl mit dem Mädchen- oder Junge-Sein fühlst.
Oder du hast dich deiner Familie mit einem „Ich muss euch was sagen: „Ich bin lesbisch!“/ „Ich liebe Männer und Frauen!“/ „Ich stehe auf Frauen, Männer und Trans*menschen!“/ „Ich bin intergeschlechtlich!“/„Ich bin transgeschlechtlich!“… oder oder oder offenbart. Oder du hast es bis jetzt noch gar niemandem erzählt. Sich selbst über die eigenen Gefühle klar zu werden, ist manchmal nicht so einfach. Noch schwieriger kann es sein, den Freund_innen oder der Familie davon zu erzählen. Die eigene lesbische, bisexuelle oder pansexuelle Lebensweise oder seine Trans- oder Intergeschlechtlichkeit öffentlich zu machen, nennt sich Coming-out. Wörtlich übersetzt heißt das „herauskommen“. Wie ein Coming-out abläuft, kann ganz unterschiedlich sein. Am Anfang steht manchmal besagter Satz, oder erstmal ein Gespräch unter vier Augen mit der_dem besten Freund_in, um zu sehen, was er_sie denn so über Lesben, Bisexuelle, Pansexuelle oder Trans- und Intergeschlechtliche Menschen denkt. Vielleicht fragst du dich auch, was geht das denn überhaupt jemanden Anderen an? Ist das nicht meine Privatsache? Muss ich immer allen davon erzählen? Du kannst dir aussuchen wem und was du erzählst, nicht alle müssen alles wissen. Manchmal kann es erleichternd sein, es endlich gesagt zu haben. Manchmal gibt es hinterher Getuschel an der Schule. Manche erzählen ihren Eltern erst davon, wenn sie schon ausgezogen sind, weil sie Angst vor negativen Folgen haben.

Coming-out ist ein Prozess, der aus zwei Phasen besteht: das innere Coming-out, dem sich selbst bewusst werden, und das äußere Coming-out, dem Mitteilen gegenüber anderen. Manchmal finden beide Phasen auch gleichzeitig statt. Meistens passieren beide Prozesse aber zeitlich versetzt. Es kann auch mehrere Jahre dauern bis sich mensch traut, seine Gefühle zu benennen. Manche erzählen nur ganz wenigen Menschen von ihrer sexuellen Orientierung oder ihrem Trans*/Inter* - Sein. Das kannst du ganz allein für dich entscheiden.
Bei all den Fragen rund ums Coming-out kann es hilfreich sein, sich mit Anderen auszutauschen, denen es genauso geht. Das kann zum Beispiel in der Young and Queer - Gruppe sein. Du kannst natürlich auch auf deiner Schule, auf queeren Parties oder im Internet andere junge Menschen kennen lernen, denen es so geht wie dir.

Du kannst auch zu allen Themen, die dich beschäftigen, zum Beispiel zum Coming Out, Chatberatungstermine mit einer_einem Young and Queer - Mitarbeiter_in oder einen Termin mit einer_einem Mitarbeiter_in der Lesbenberatung ausmachen.

*Wir benutzen den so genannten gender_gap oder Unterstrich, um aufzuzeigen, dass es mehr als zwei Geschlechtsidentitäten gibt. Der Unterstrich bietet Raum für selbst gewählte Identitäten, für mehr als nur männlich und weiblich. Die Lesbenberatung hat ein vielfältiges Team, in dem ganz unterschiedliche Menschen arbeiten!

Quelle: http://www.youngandlesbian.de